31.10. Coburg: Fight Back – Solidarität gegen Naziterror!

In der kleinen fränkischen Provinzstadt Coburg fand am Samstag den 10.10.2009 die Demonstration „Bücherwurm goes Antifa“ mit ca. 150 TeilnehmerInnen statt. Im Rahmen der Demo gegen den extrem rechten Verlag „Nation Europa“ fand am Vortag ein Informationsvortrag statt, im Anschluss der Demo feierte Mensch bei einem Solikonzert im örtlichen Jugendzentrum.
Am Montag nach der Demonstration erhielt die Demoanmelderin eine anonyme Morddrohung per Postsendung. Dies ist nicht der erste Vorfall dieser Art – wir mussten uns schon öfters Angriffen und Einschüchterungsversuchen ausgesetzt sehen und leider auch nicht der erste Ort. Auch in Ingolstadt und Gräfenberg kam es zu Drohbriefen von Nazis. Für uns erscheint dies als eine neue Qualität nationalistischer Gewalt / Gewaltandrohung in der fränkischen Provinz! Dieser gilt es entschlossen entgegenzutreten! Wir finden antifaschistische Arbeit richtig und wichtig – gerade hier im Landkreis Coburg besteht diesbezüglich auch ein absoluter Nachholbedarf. Allerdings ist es uns auch ein enormes Bedürfnis unser Tätigkeitsfeld nicht auf das Selbige zu reduzieren. Es ist absolut erforderlich die gesellschaftlichen Hintergründe zu benennen, die der Ideologie den Nazis Vorschub gewähren!!
Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Sexismus, dies alles sind Mechanismen, die in unserer Gesellschaft sehr weit verbreitet sind. Selbst das Bekenntnis zahlreicher Bürger_innen gegen Nazis, bedeutet nicht automatisch, dass Mensch solche Ausgrenzungsmechanismen nicht selber verinnerlicht und diese auch ständig reproduziert. Xenophobie ist gesellschaftlicher Alltag. Was die Nazis wollen und was viele konservative Bürger_innen wollen ist meist flächendeckend Konsens. Sie wollen einen starken Staat, ein erfolgreiches Deutschland, Arbeitsplätze für Deutsche und keinen Staat, der für fremde Interessen eintritt. Worin der Staat Erfolg haben soll, ist auch klar: in der weltweiten Staatenkonkurrenz der Nationen um Kapitalverwertung, plus den davon abgeleiteten Nationalen Hauen und Stechen in Wettbewerben, von PISA bis Fußball-Weltmeisterschaft, wobei Bürger_innen mal kräftig Fahneschwenken dürfen. Hierbei wird den massig vereinzelten Bürger_innen ein Gefühl der Gemeinschaft vorgegaukelt, indem sie in der Masse aufgehen können. Doch diese Gemeinschaft, die sich über Konstrukte wie Volk und Vaterland definiert, lehnen wir ab.
Vom Erfolg des eigenen Staates sind die Leute in soweit abhängig, als dass dessen Misserfolg ihnen jede Menge erschwerende Bedingungen für die eigene Person bereitet. Andersherum beschert der Erfolg des eigenen Staates den meisten Menschen nun nicht ein schönes Leben, sondern allenfalls das Glück, kräftig die Gewinne „ihrer“ Unternehmen abzufeiern und auch sonst beständig ihre Leistungsbereitschaft für „Volk und Vaterland“ nachzuweisen.
Diese schädliche Abhängigkeit finden Nazis sowie „Demokraten“ legitim-wir nicht! Nazis halten am Ideal von Staat und starker Volkswirtschaft fest. Gemessen an diesem Ideal meinen sie, dass etwas nicht gut läuft. Und weil so viele Leute gewohnt sind, ihr privates Wohlergehen dem nationalen Wohlergehen unterzuordnen ist eine Kritik an dem Wahnsinn, dass Menschen sich in Völkern zusammenrotten, um sich über Standortkonkurrenz das Leben zur Hölle zu machen bitter nötig!
Wenn, wie in Coburg, Parteifunktionären der SPD Faschisten kritisieren, ist ihr Hauptkritikpunkt, dass sich Nazis nicht an die demokratischen Spielregeln halten, dass sie gewalttätig sind und das Image der Stadt, des Landes und somit den Standort schädigen. Nicht zufällig weiten sie ihe „Kritik“ an die Nazis schnell auch auf linke Antifaschist_innen aus. In den Augen dieser „Kritiker“ kann es dann keinen nennenswerten Unterschied zwischen Nazis und Linksradikalen geben. Hier haben Politiker und Presse, Hand in Hand, die geistige Brandstiftung geleistet, die die Coburger Naziszene brauchte, um nun gegen Antifaschist_innen vorzugehen. Ihre „Kritik“ können wir nur belächeln. Wer sich das Standortimage der Stadt zum politischen Programm macht und auf die daraus entstandenen Spielregeln pocht, hat den Nazis nichts entgegenzusetzen. Solch ein Widerstand gegen Rechts gilt nur so lange, wie sich der Antifaschismus als friedliche Bewegung durchführen lässt. Wir lassen uns die Drohung von den Nazis an einer Genossin jedoch nicht gefallen, und solidarisieren uns bedingungslos mit dieser! In diesen schweren Zeiten soll die Betroffene immer spüren, dass sie nicht alleine ist und dass es Menschen gibt, die an ihrer Seite stehen. Die Einschüchterungen müssen entschlossen über die Grenzen des staatlichen Antifaschismus hinaus beantwortet werden.

Kommt am 31.10.2009 nach Coburg und beteiligt euch an der antifaschistischen Solidaritätsdemonstration gegen den Naziterror in Coburg und überall!

14:00 Uhr Spitaltor – Coburg

Kein Friede mit Nationalisten!

Solidarität mit allen Betroffenen von Nazi-Gewalt, -Einschüchterungen und -Drohungen!

mehr Infos…


1 Antwort auf “31.10. Coburg: Fight Back – Solidarität gegen Naziterror!”


  1. 1 ich 16. Januar 2010 um 2:02 Uhr

    In coburg müsste man sich zuerst um das Gewaltproblem der Ausländer kümmern.
    Wenn das mal im Griff ist, dann geht auch die Zahl der Nationalsozialisten zurück.

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