01.Mai Update

Spießer oder Spalter? Nazis marschieren getrennt…

Der Streit um den Aufmarsch am 01. Mai in Schweinfurt schlägt nach wie vor hohe Wellen in der bayerischen Naziszene. Während einzelne Kameradschaften wieder von der Unterstützerliste verschwunden sind, tobt der Machtkampf um die Führungspositionen in der NPD Bayern weiter. Mehrere hochrangige NPD-Funktionäre aus Bayern darunter auch zwei Mitglieder des Landesvorstandes mobilisieren ihre Anhänger nach Schweinfurt während die Partei offiziell nach Fürth zu Quelle aufruft.

Nationaler Sozialismus vs. soziale Heimatpartei

Die Auseinandersetzung zwischen den zwei Lagern erreichte bereits im Novermber 2008 einen Höhepunkt, als Protagonisten des heutigen “Freien Netz Süd” (FNS) einen Putschversuch auf dem Landesparteitag der NPD lancierten. Ralf Ollert sollte als Vorsitzender durch Uwe Meenen (Berlin) ersetzt, als stellvertretender Vorsitzender sollte Matthias Fischer (Fürth) installiert werden. Nach dem Scheitern der Pläne verließen die Unterlegenen unter lautstarken Protesten den Saal, zornig abziehende NPD-Delegierte sollen zudem noch Autoreifen auf dem Parkplatz zerstochen haben. Zu diesem Zeitpunkt brach in Bayern ein offener Konflikt um Personen, Auftreten und Positionen der NPD aus. Die bayerische NPD, die vor allem von der CSU enttäuschte WählerInnen zu umwerben versucht, wurde von den Putschisten später in einer mit „wenn man ‘Ade’ sagen muss“ überschriebenen Erklärung gescholten. Während die Führung der Bayern-NPD zuletzt einen „bürgernahen“ und rassistischen Kurs steuerte, traten Matthias Fischer und Co mit radikalen Kampagnen unter dem Motto „Südtirol bleibt deutsch“ und „Nationaler Sozialismus jetzt“ in die Öffentlichkeit.

Gespaltener Landesvorstand…

Der nun seit Jahren existente Konflikt hat allerdings neue Sphären erreicht. Zwei Mitglieder des Landesvorstandes (LV) und ein kompletter Bezirksverband der NPD Bayern scheren aus und mobilisieren offen gegen den NPD-Aufmarsch in Fürth. Auf der Unterstützerliste zu Schweinfurt ist sowohl der NPD Kreisververband Regensburg und der Bezirksverband Oberpfalz, als auch die “Bürgerinitiative Ausländerstop” (BIA) Augsburg. Somit stellen sich Willi Wiener, der erst im Dezember 2009 mit der Unterstützung FNS-naher Stimmen Patrick Schröder als Bezirksvorsitzenden in der Oberpfalz ablöste und der Kraft dieses Amtes Mitglied des Landesvorstandes ist, sowie Roland Wuttke (Augsburg), Landespressesprecher, gegen Beschlüsse ihrer Vorstandskollegen.

Diese Vorgehen bedeutet eine klare Konfrontation mit der Führungsriege der bayerischen NPD Ollert/Roßmüller/Michaelis. Landesgeschäftsführer Axel Michaelis rief bereits Mitte Januar die Bundespartei aufgrund der Tatsache an, NPD-Gliederungen aus Hessen und Baden-Württemberg würden in Bayern ohne Absprache mit dem LV aufmarschieren und bat um Klärung. Dass nun bayerische Parteigliederungen und sogar Mitglieder des LVs im Kreis der Ausscherer vertreten sind stellt eine offene Kampfansage dar.

… und uneinige “Freie”.

Doch auch bei den Konkurrenten, die sich im Freien Netz Süd scharen halten sich beharrlich die gleichen Probleme. Kameraden berichten seit Monaten in Neonaziforen über vermeintliche Angriffe, Einschüchterungen und Bedrohungen von FNS-Sympathisanten. Letztere sollen auch im Zuge des Aufmarsches in Schweinfurt wieder zum Einsatz gekommen sein. Auch waren wohl einige Neonazigruppierungen über ihr Erscheinen auf der Unterstützerliste irritiert, hatten sie doch gar keine Zusage erteilt, mehrere vermeintliche Unterstützer wurden bereits wieder entfernt.

Die von FNS-Kadern öffentlich beschworene neue Einigkeit der freien Kräfte in Bayern stellt sich bei näherer Betrachtung ebenfalls als fragwürdig dar. Zwar steht mit dem “Freien Widerstand Süddeutschland” (FW Süd) eine “verfeindete” Gruppierung auf Seiten der Unterstützer für Schweinfurt, die eigentlichen Konflikte wurden allerdings nur ausgelagert. Die Freien Nationalisten Nürnberg scheinen nicht mehr im FW Süd organisiert zu sein, die Freien Nationalisten München um Philipp Hasselbach sind inaktiv. Vor allem Hasselbach war einer der Hauptgründe die einer Zusammenarbeit des FNS und dem FW Süd im Wege standen. Aus Schweinfurt selber meldeten sich Neonazis zu Wort die sich über fehlende Absprachen beschwerten, “man fahre wie geplant nach Fürth“.

Auf den ersten Blick wirkt die Unterstützerliste zwar umfangreich, bei näherer Bertrachtung allerdings sind fast alle Gruppen im FNS oder im FW Süd organisiert, bzw. Kleinstprojekte. Als neue Gruppen in dem Konflikt treten lediglich einige Neonazis aus Hessen und Rheinland-Pfalz auf.

Zwei Aufmärsche in Bayern

Fest steht in Bayern wird es zwei Neonaziaufmärsche geben wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. In Fürth/Nürnberg wird sich die NPD als soziale Heimatpartei präsentieren und so der aktuellen Linie der Bundespartei folgen, in Schweinfurt wird es einen Aufmarsch mit nationalsozialistischem Anklang und Klientel geben. Der eigentliche Konflikt wird damit jedoch nicht beseitigt, der Ausgang des tobenden Machtkampfes ist noch nicht abzusehen.

Update 01.02. 12:24 Uhr:
Es wurde ein weiterer Aufmarsch, vermutlich vom FNS, in Würzburg angemeldet! Nähere Infos folgen.

Quelle: http://www.art-nb.de/?p=343





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